Dienstag, 29. September 2009

Die Macht des Sauerstoffs?

Den Sommer über habe ich mich gütlich am Wein gelabt und eigentlich ist das mit dem Whisky auch so eingetreten, wie ich mir das ausgemalt habe. Im Sommer ist Whisky bei mir ein Minderheitenprogramm. Nicht daß ich die letzten Monate komplett abstinent war, aber der Whisky ist doch (m)ein Seelenwärmer für die kühleren Tage..

2 Flaschen habe ich im Frühling annähernd halbvoll zurückgelassen, den Dalmore 12Y und einen Ardbeg Ten. Die Frage nach der Reife, der Weiterentwicklung - vielleicht auch Oxidation - ist ja bei Hochprozentigem eine kontroversiell diskutierte. Wie immer gilt es sich eine eigenen Meinung zu bilden.

Nur der Vollständigkeit halber sei angeführt, daß ich hier nur den über die Zeit steigenden Luftanteil in der Flasche und seine Auswirkung auf das "Getränk" selbst mit all den Bestands- & Geschmacksstoffen betrachte. Erwähnenswert ist dies deshalb, weil ja bis heute die beteiligten Prozesse an der Weiterentwicklung - sprich dem Reifeverlauf - von zB. Wein nicht vollständig geklärt sind. Der Korken bzw. die alternativen Verschlüsse dichten besser als weithin angenommen und der in der Weinflasche eingeschlossene Sauerstoff reicht (alleine) bei weitem nicht als Erklärung aus für die eintretenden Veränderung aus.

Jedenfalls bin ich davon überzeugt, daß sich "hochprozentige" Spirituosen im Laufe der Zeit in der Flasche verändern - ohne jetzt genau zu wissen warum. So beziehe ich von einem südsteiermärkischen Winzer ein Destillat aus der Rebsorte Gewürztraminer. Der braucht immer ein paar Jahre um so wirklich "homogen" zu werden. Ebenso einer meiner Lieblingsgrappe, der Barolo San Stefano von Rocche dei Manzoni - verändert sich deutlich über die Jahre, derzeit sind wunderbare (getrocknete) Marillennoten samt einer "Altersmilde" zu vernehmen - ein Gedicht!

Aber zurück zum Whisky. Der Dalmore 12Y ist mein Standard-Allerweltswhisky. Ich schätze ihn wegen seiner Subtilität und Harmonie; er ist unaufdringlich, bietet eine feine Aromatik nach Orangen und ist am Gaumen ausgewogen und balanciert.
Nun nach einem halben Jahr in der halbleerer Flasche wirkt er deutlich "gereifter" im Sinne positiver, oxidativer Noten. Er zeigt sich voller am Gaumen, runder und hat in der Nase auch deutlich mehr Affinität zu einem Bourbon, in dessen Faß er ja auch einen Großteil seiner Reifezeit verbracht hat. Auf der anderen Seite jedoch vermisse ich die feinen, leisen Töne, die ich mit diesem Exemplar verbinde. Nichts-desto-trotz aber deswegen weniger sympathisch!

Das Ganze ist ein natürlich eine subjektive Momentaufnahme, ein Schnappschuß der auch genauso meinen bei diesen Gedanken präsenten - durch Essen "manipulierten" - Gaumen enthält sowie auch nicht um meine durchaus veränderliche Stimmungslage bzw. physische Konstitution bereinigt wurde - enjoy ;-)

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